Patenprojekt „Zuhause in Rostock“ geht weiter!

Aktion Mensch unterstützt für zwei weitere Jahre Erfolgsprojekt engagierter Rostockerinnen und Rostocker

Seit drei Jahren hilft die Rostocker Stadtmission geflüchtete Menschen, den Alltag in der Hansestadt zu meistern. Nun wird das durch die Aktion Mensch geförderte Patenprojekt „Zuhause in Rostock“ um zwei Jahre verlängert – eine Anerkennung der Erfolge, aber auch ein Zeichen dafür, wie wichtig eine gute Unterstützung bei der Integration von Flüchtlingen ist.

„Ich wollte mich engagieren und Menschen helfen“

Hannah Schartmann

„Ich wollte mich engagieren und Menschen helfen“, blickt die 24-jährige Hannah Schartmann auf den Herbst 2016 zurück. „Im Netz hatte ich vom Projekt der Stadtmission erfahren und hab’ mich einfach gemeldet.“ Gesucht wurde gerade ein Pate für sechs syrische Geschwister, die in einer kirchlichen Einrichtung ein erstes Zuhause in Rostock gefunden hatten. „Wir haben zunächst gezögert, einer jungen Frau gleich sechs Teenager und junge Erwachsene zu vermitteln“, weiß Dr. Jenny Hahs noch ganz genau. Die Koordinatorin von „Zuhause in Rostock“ ist bei vielen ersten Treffen dabei, um die potentiellen deutschen Paten und die Flüchtlinge beim Kennenlernen zu unterstützen und um zu sehen, ob die Chemie stimmt. „In diesem Fall harmonierte es sofort. Die jungen Leute haben sich gleich gut verstanden“, erinnert sie sich.

„Hannah Schartmann (li.) kümmert sich im Rahmen eines Patenprojekts der Rostocker Stadtmission ehrenamtlich um syrische Flüchtlinge. Dr. Jenny Hahs (re.) ist Projektleiterin und freut sich, dass für zwei weitere Jahre Fördergelder zur Verfügung stehen.“ Foto: Rostocker Stadtmission/Bluhm

Einmal pro Woche trifft sich Hannah Schartmann seitdem mit ihren syrischen Schützlingen und begleitet sie durch den Alltag. Während die Teenies in der Schule sehr schnell Deutsch gelernt haben, brauchen die Älteren viel Unterstützung. Vor jeder Sprachprüfung wird noch immer gemeinsam geübt und gezittert. Zwei der jungen Syrerinnen möchten Zahntechnikerin und Kindergärtnerin werden – ein anspruchsvolles Ziel. „Ich habe in der ganzen Zeit nur ein paar Brocken Arabisch gelernt“, lacht die Studentin. „Ich weiß jetzt, wie schwer Deutsch für Araber ist!“

Unterstützung leistet sie auch beim Ausfüllen amtlicher Formulare und beim Verstehen deutscher Gepflogenheiten, die sich oft sehr von den arabischen unterscheiden. Die Stadtmission steht ihr wie auch den anderen derzeit rund 50 Patinnen und Paten weiterhin bei Bedarf zur Seite. Hilfe gibt es beispielsweise bei kniffligen Behördenfragen oder wenn andere komplizierte Dinge zu klären sind. Dann wird ein Sprachmittler hinzu gebeten, der oft nicht nur den Sachverhalt übersetzt, sondern auch zwischen den Kulturen „dolmetscht“. Besonders wichtig ist das Patenprojekt, wenn Kriegs- und Fluchterlebnisse oder auch die Sorge um Familie und Freunde die Flüchtlinge stark belasten. „Es ist schon eine Herausforderung, sich bei solchen berührenden Themen einzufühlen und zu trösten, aber trotzdem Distanz zu halten und diese Themen nicht mit nach Hause zu nehmen“, weiß Hannah Schartmann aus eigener Erfahrung. Die Stadtmission bietet den Paten dann Hilfe an und schätzt auch ein, ob die Geflüchteten professionelle Unterstützung benötigen – Traumabewältigung können die Ehrenamtlichen natürlich nicht leisten.

Als Dankeschön für ihr Engagement hat Hannah Schartmann nicht nur die Gewissheit, etwas Sinnvolles zu tun, sondern sie lernt auch die herzliche arabische Gastfreundschaft kennen. In den Zwillingen Heba und Nour hat sie zudem zwei Freundinnen gefunden, mit denen sie sich wie auch mit deutschen Bekannten einfach im Café oder zum Strandspaziergang trifft. 

Etliche der Patenschaften, die das Projekt der Stadtmission bislang vermittelt und betreut hat, sind in eine freundschaftliche Verbindung übergegangen. „Das freut uns natürlich sehr“, sagt Jenny Hahs, „so kann Integration wirklich gelingen.“ Natürlich gibt es auch Fälle, in denen Paten und Flüchtlinge aufgrund individueller Belange nicht so gut miteinander zurechtkommen, „das ist ja menschlich“, so die Projektleiterin. „Dann helfen wir, die Verbindung zu beenden, ohne dass es zu persönlichen Befindlichkeiten kommt. In den meisten Fällen möchten die Deutschen eine andere Patenschaft vermittelt haben, denn das Engagement als solches hat ihnen ja gefallen.“ Über die direkte Unterstützung hinaus werden auch regelmäßig Veranstaltungen angeboten, auf denen Fachleute zu verschiedenen Themen referieren. „Gerade die Informationen zur muslimischen Kultur, die sich in vielen Punkten von der deutschen unterscheidet, sind wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden oder auszuräumen“, weiß Jenny Hahs.Neben den zahlreichen Patenschaften sind auch ein Nähtreff für deutsche und ausländische Frauen und das Angebot von Gesprächsabenden nur für Männer ein Ergebnis des Projekts. Ein Pate hatte die Idee, auch Familienväter und junge Männer noch individueller an die deutsche Kultur heranzuführen.

Text: Dörthe Blum

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