„Alles war neu!“ – Projekt hilft beim „Ankommen“ in Rostock – Zeitungsartikel im Ostsee Anzeiger

Rostock 18.07.2017 | „Alles war neu.“ sagt Hanan, die mit ihrer Familie vor dem Krieg nach Deutschland geflohen war. Die junge Syrerin stand bereits wenige Tage nach Projektstart im Bürgerbüro in Lichtenhagen. Nach einem Bombenangriff, bei dem das Haus der Familie abbrannte, floh die Familie aus der syrischen Hauptstadt Damaskus. Die Mutter und die 4 Kinder wurden vom Vater getrennt, kamen auf verschieden Wegen bis nach Deutschland. Dann das Wiedersehen in Rostock.

In Rostock hatte die Familie eine Wohnung gefunden, die Eltern begannen einen Integrationskurs und die Geschwister besuchten Schulen – doch richtig angekommen fühlten sie sich nicht.

Ein fremdes Land, eine unbekannte Stadt, die deutsche Sprache, besonders für die Eltern schwierig zu lernen, die Briefe von Behörden verwirrend, der Kontakt zu den Nachbarn beschränkte sich auf „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“. Hanan und ihre Familie fühlten sich allein gelassen.

Als die älteste Tochter vom Patenprojekt der Rostocker Stadtmission hörte, kam sie gemeinsam mit ihrer Mutter ins Bürgerbüro nach Lichtenhagen und informierte sich. 

Jenny Hahs, seit Juni 2016 Koordinatorin im Patenprojekt „AT HOME IN ROSTOCK – ZU HAUSE IN ROSTOCK“, erzählte wie Patenschaften helfen, in der neuen Heimat anzukommen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Rebekka Schmitt vermittelt sie in dem durch AKTION MENSCH geförderten Projekt Patenschaften zwischen Rostockern und Geflüchteten.

Glücklicherweise hatte sich eine ehemalige Lehrerin beim Projektteam gemeldet und ihre Unterstützung als Patin für eine geflüchtete Familie angeboten. Sie und Hanans Familie lernten sich kennen und treffen sich seitdem einmal in der Woche. Es wurde Deutsch miteinander gesprochen, bei der Behördenpost unterstützt, mit dem Jungen lesen und schreiben geübt.

Das erste Kennenlernen ist nun ein Jahr her – und es haben seither unzählige Treffen stattgefunden. Zusammen mit den Enkeln der Patin werden Kindergeburtstage gefeiert oder es wird gemeinsam gegrillt. Unterstützung ist längst nicht mehr einseitig – so half Vater Maher der Familie seiner Patin kürzlich bei der Errichtung eines Zaunes. Die ältere Tochter engagiert sich ehrenamtlich im Bürgerbüro der Rostocker Stadtmission und serviert Kaffee und Kuchen beim Sommercafé. Im September wird sie eine Ausbildung beginnen. Der Vater hat die Führerscheinprüfung bestanden und möchte als Kraftfahrer arbeiten, die Mutter hat mit Hilfe des Projekts einen Arbeitsplatz. Alle Beteiligten empfinden die Patenschaft als bereichernd.

Das Kennenlernen einer anderen Kultur und das Erleben der arabischen Gastfreundschaft sind für die Patin und ihre Familie großartige Erfahrungen. Ebenso zu sehen, welche Fortschritte Hanans Eltern und Geschwister in der deutschen Sprache gemacht haben. Schritt für Schritt geht die Integration voran. Hanans Familie fühlt sich mittlerweile in Rostock angekommen. „Integration – das sind auch persönliche Beziehungen –  wir haben Glück gehabt.“

Nicht immer verlaufen Patenschaften so reibungslos. Doch wenn es Probleme gibt, stehen Jenny Hahs und Rebekka Schmitt den Paten und den Geflüchteten mit Rat und Tat zur Seite. Sie unterstützen die vielen Ehrenamtlichen, die sich im Projekt engagieren bei rechtlichen Fragen, organisieren Fortbildungen, interkulturelle Nachmittage, Feste und vieles mehr.

35 Patenschaften zwischen Patinnen, Paten und geflüchteten Frauen, Männern und Familien haben Jenny Hahs und Rebekka Schmitt seit Juni 2016 in die Wege geleitet. Wichtig ist den Projektkoordinatorinnen die Unterstützung der Patenschaften durch eine enge Begleitung. Regelmäßig wird mit allen Beteiligten telefoniert, es finden Termine bei besonderen Herausforderungen statt.

Gemeinsam mit fünf anderen Projekten ist AT HOME IN ROSTOCK daher für den Engagementpreis der Hansestadt nominiert. Die Projektmitarbeiterinnen hoffen auf viele Stimmen für ihr Projekt. Doch auch wenn es nicht für einen Platz unter den ersten Drei reichen sollte: neue ehrenamtliche Paten zu finden wäre ebenso ein großer Gewinn.

 

Informationen und Kontakt:

Diakonie Rostocker Stadtmission e.V.

AT HOME IN ROSTOCK – Zu Hause in Rostock
Dr. Jenny Hahs | Rebekka Schmitt
Bürgerbüro – treffpunkt.LEBEN
Lichtenhäger Brink 10 | 18109 Rostock
Telefon 0381 1282663
patenprojekt@rostocker-stadtmission.de
www.paten-rostock.de

 

Engagementpreis der Hansestadt Rostock

Der Fachkreis Ehrenamt Rostock wird zum ersten Mal im September 2017 einen Preis verleihen, der das vielseitige ehrenamtliche Engagement und die gesellschaftliche Verantwortung der zahlreichen Akteure ehrt. Der Engagementpreis unterstützt Rostocker Projekte, die zu unserem Gemeinwohl beitragen und stellt sie einer breiten Öffentlichkeit vor. Die Internet-Abstimmung läuft noch bis Ende Juli 2017. 

Siehe http://www.ehrenamt-rostock.de/engagementpreis/

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